{"id":293,"date":"2025-05-04T12:46:57","date_gmt":"2025-05-04T12:46:57","guid":{"rendered":"https:\/\/zaunreiterin.eu\/?page_id=293"},"modified":"2025-05-24T19:26:02","modified_gmt":"2025-05-24T17:26:02","slug":"dankbarkeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/zaunreiterin.eu\/de_de\/dankbarkeit\/","title":{"rendered":"Dankbarkeit"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:25%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<p>Ich habe gerade zwei Tage lang geheult aus Dankbarkeit. Nun ja, nicht die ganze Zeit &#8211; ich war zwischendurch auch einkaufen, habe mit der Familie Fernsehen geschaut, B\u00fcroarbeit gemacht, es nicht mehr ins Archiv geschafft, mit Schrecken begriffen, dass es diese Woche einen Feiertag gibt, an dem dann nat\u00fcrlich alles zu ist. Ganz normaler Alltag. Schamanisch gearbeitet habe ich auch. Dieses tief ger\u00fchrte Gef\u00fchl von Dankbarkeit war im Hintergrund immer da. Dabei wei\u00df ich nicht einmal genau, wof\u00fcr ich eigentlich dankbar bin. Es ist eine sehr grundlegende Dankbarkeit. Heute in der Zeitung fand ich den Satz: &#8222;Ich danke dem Leben.&#8220; Ja, genau so. Freude und Dankbarkeit \u00fcber das so unglaubliche Geschenk, leben zu d\u00fcrfen, wir alle, jeder einzelne von uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist jetzt die Zeit um Mabon herum, das mittlere der drei Erntefeste. Und so wird mir klar, worum es eigentlich geht beim Erntedank, beim Dank f\u00fcr die Ernte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im vergangenen Winter gab es eine Zeit, die f\u00fcr mich sehr dunkel war, beherrscht von der Notwendigkeit, aus der ganzen eigenen Kraft heraus eine klare Entscheidung zu treffen, und gleichzeitig der Unf\u00e4higkeit, das zu tun, dem Gef\u00fchl der Unzul\u00e4nglichkeit, des Nicht-gut-genug-Seins. Beim Fest zur Wintersonnenwende sprach jemand in der gro\u00dfen Runde \u00fcber Dankbarkeit, dar\u00fcber, dass man nichts erreicht mit &#8222;ich will, ich brauche&#8220; &#8211; denn darin steckt der Mangel -, wohl aber mit Dankbarkeit f\u00fcr das, was man hat und ist. Jemand anders erz\u00e4hlte die <a href=\"http:\/\/www.sagen.at\/texte\/maerchen\/maerchenbeitraege\/swabedoo.html\">Geschichte von Swabedoo<\/a>, jene Geschichte, in der sich die Bewohner eines Dorfes st\u00e4ndig gegenseitig Fellchen schenken und gl\u00fccklich sind mit sich und der Welt, bis ein Kobold ihnen einredet, dass die Fellchen sicher bald ausgehen werden &#8211; und wenig sp\u00e4ter ist das Leben im Dorf beherrscht von Angst, Neid und Ungl\u00fccklichsein. Die Probleme fangen erst dadurch an, dass man etwas als Mangel begreift und aus dem Mangel heraus handelt, nicht aus der F\u00fclle heraus. Im Nachhinein betrachtet waren diese Erkenntnisse f\u00fcr mich der erste Schl\u00fcssel f\u00fcr den Weg aus der Dunkelheit heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine meiner andersweltlichen Lehrerinnen hat mich k\u00fcrzlich zurechtgewiesen (genaugenommen hat sie mir buchst\u00e4blich eine Ohrfeige verpasst): ich sollte nur dann danken, wenn es auch wirklich angebracht sei; und in meinem Dank w\u00fcrde noch zu viel Verstand und Ego stecken. Sie hat Recht: wenn wir den Worten keinen Inhalt und keine Tiefe verleihen, dann bleiben sie leer, ist das &#8222;ich danke&#8220; st\u00e4rker ein &#8222;<em><u>ich<\/u><\/em> danke&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Dankbarkeit aus tiefstem Herzen heraus, mit jeder Faser unseres Seins, f\u00fcr das, was uns geschenkt ist: f\u00fcr das Leben, die F\u00fclle. F\u00fcr die M\u00f6glichkeit, unseren Weg zu gehen, f\u00fcr jeden einzelnen Schritt auf diesem Weg, auch f\u00fcr jeden einzelnen Schlenker und Umweg, jede Pr\u00fcfung. Denn jeder einzelne Schritt ist nur denkbar als Folge und Fortsetzung der zuvor getanen, die uns eben dorthin gef\u00fchrt haben. Dankbarkeit f\u00fcr die Dinge, die passieren d\u00fcrfen &#8211; dadurch, dass wir sie zulassen, in aller Demut und aller Hingabe.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum geht es.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch v\u00f6llig erf\u00fcllt von all dieser Dankbarkeit, ziehe ich eine Karte aus dem Wild Wood Tarot &#8211; und erwische den Schwan. Der wird dort assoziiert mit Leid, Mangel und Knappheit. Was f\u00fcr ein Wink mit dem Zaunpfahl! Vergiss in der F\u00fclle nie die andere Seite. In jeder Qualit\u00e4t ist immer auch der Kern des Gegenteils, denn wenn wir ihr Gegenteil nicht sehen, sehen wir auch sie nicht. Es ist Tag- und Nachtgleiche, Gleichgewicht zwischen Hell und Dunkel. Auch das ist Mabon. Und auch daf\u00fcr bin ich dankbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Pilamayaye!<\/p>\n\n\n\n<p>(Herbst 2013)<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:25%\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe gerade zwei Tage lang geheult aus Dankbarkeit. Nun ja, nicht die ganze Zeit &#8211; ich war zwischendurch auch einkaufen, habe mit der Familie Fernsehen geschaut, B\u00fcroarbeit gemacht, es nicht mehr ins Archiv geschafft, mit Schrecken begriffen, dass es diese Woche einen Feiertag gibt, an dem dann nat\u00fcrlich alles zu ist. Ganz normaler Alltag. 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