Musik für substanzunterstützte Therapie

Psychedelische oder substanzunterstützte Therapie findet in einem definierten Setting statt. Teil dieses Settings ist Musik, deren Einsatz bewusst der jeweiligen Situation während der Sitzung angepasst wird. Das heißt, es wird kein vorher festgelegtes Musik-„Set“ gespielt, sondern die Musik wird je nach Bedarf ausgewählt. Weil das unmittelbar im Moment während der Sitzung passieren muss, sind im Voraus zusammengestellte, sorgfältig kuratierte Playlists unerlässlich. Die folgenden Playlists des Instituts für Substanzunterstützte Therapie, auf Spotify gehostet, vermitteln einen Eindruck der immensen Möglichkeiten, die der Einsatz von Musik mit sich bringt.

Mehrere Möglichkeiten für die Klassifizierung von Musik sind denkbar. Man kann sich an den Phasen einer Sitzung orientieren, Aufstieg oder Plateau etwa. Hilfreich ist daneben eine Klassifizierung nach Emotionen oder anderen Zuständen.

Auf Spotify finden sich durchaus einige Playlists etwa von Mendel Kaelen, der auch zu Musik in diesem Kontext publiziert hat, oder aus dem Umfeld der Forschung an der Johns-Hopkins-Universität zu psychedelischer Therapie. Allerdings handelt es sich eher um Musiksets als um Playlists. Und vor allem habe ich immer das Gefühl, dass diese Titel zum Großteil eher so etwas wie meditative Hintergrundmusik sind. Sie drücken Weite aus, manchmal berühren sie sogar das Herz. Das ist schön und manchmal auch passend.

Man kann aber mit einer viel, viel größeren Variationsbreite arbeiten. Gerade in Gruppensettings kann die Musik viel mehr Funktionen erfüllen. Voraussetzung ist, dass man sehr gezielt auf das eingeht, was sich im Raum zeigt, was sich auch innerhalb von Minuten ändern kann.

Musik kann beispielsweise einen Ansatz von Privatheit gewähren oder dafür sorgen, dass der Prozess eines Teilnehmers die anderen nicht so sehr ablenkt. Sie kann noch zusätzlich Energie liefern, wenn es in einem Prozess darum geht, Wut auszudrücken (in einer Session kürzlich beispielsweise: „Conga Fury“ von Juno Reactor). Oder sie kann fast so etwas wie eine Umarmung sein; in derselben Session etwa habe ich an einer Stelle bewusst „Calling All Angels“ von k.d.lang ausgewählt, und genau die Teilnehmerin, für die ich das gespielt habe, meinte später, das sei exakt das gewesen, was sie in dem Moment gebraucht hätte. Man kann auch mit Musik versuchen, stockende Energien im Raum in Bewegung zu bringen, oder auch, Bedürfnisse zu erfüllen. Einmal hatte ich das Gefühl, die gesamte Gruppe braucht die Präsenz einer Mutter – die offensichtliche Lösung war, Titel mit mütterlich anmutenden Frauenstimmen zu spielen.

Technische Anmerkung: die Playlists hier auf der Webseite aktualisieren sich automatisch, wenn die hinterlegten Spotify-Playlists sich ändern, es kann aber etwas dauern. Hier auf der Webseite werden außerdem nur die ersten 100 Titel der jeweiligen Playlist angezeigt und die Titel jeweils nur für 30 Sekunden angespielt. Ein Klick auf das Spotify-Symbol oben rechts oder auf die drei horizontalen Punkte führt zur Playlist direkt in Spotify.